Qualitätsprüfungen: Wichtige Impulse für eine gute Pflege

Um eine gute und passende Pflegeeinrichtung zu finden, brauchen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen verlässliche und vergleichbare Informationen. Seit 2009 überprüft der MDK im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen jedes Jahr die Qualität von Pflegediensten und Pflegeheimen – und seit 2014 auch die Qualität von teilstationären Pflegeeinrichtungen, wie beispielsweise Tagespflegeeinrichtungen.

Es zeigt sich, dass die regelmäßigen externen Prüfungen und die damit verbundene Beratung durch den MDK wichtige Impulse für gute Pflegequalität geben.

Grundsätzliches zu unseren Qualitätsprüfungen

Die Qualitätsprüfungen bilden eine Einheit aus Prüfung, Beratung und Empfehlung von Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung.

Dieser beratungsorientierte Ansatz ermöglicht es, bereits während der Qualitätsprüfung bei festgestellten Qualitätsdefiziten Lösungen aufzuzeigen (Impulsberatung).
 
In der Regelprüfung erfassen wir wesentliche Aspekte des Pflegezustandes sowie die Wirksamkeit der Pflege- und Betreuungsmaßnahmen (Ergebnisqualität).

Die Prüfung kann sich zudem auf Ablauf, Durchführung und Evaluation der Leistungserbringung (Prozessqualität) sowie auf die Rahmenbedingungen der Leistungserbringung (Strukturqualität) erstrecken.
Der freundliche, wertschätzende und respektvolle Umgang mit allen Beteiligten hat Priorität. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Einrichtungen sprechen wir auf Augenhöhe.

Unser gemeinsames Ziel – das Wohl der pflegebedürftigen Menschen – verbindet!
Unsere Informationsquellen
 
  • Inaugenscheinnahme der in die Stichprobe einbezogenen pflegebedürftigen Menschen
  • Auswertung der Pflegedokumentation
  • Befragung des pflegebedürftigen Menschen
  • Befragung der Angehörigen und/oder der Pflegeperson
  • Gespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtung
In der vollstationären und teilstationären Pflege prüfen wir die Qualität der…
  • …allgemeinen Pflegeleistungen,
  • …medizinischen Behandlungspflege,
  • …Betreuung, zusätzlichen Betreuung und Aktivierung,
  • …Leistungen bei Unterkunft und Verpflegung,
  • …Zusatzleistungen
In ambulanten Pflegeinrichtungen prüfen wir die Qualität der…
  • …körperbezogenen Pflegemaßnahmen,
  • …pflegerischen Betreuungsmaßnahmen,
  • ….Hilfen bei der Haushaltsführung,
  • …Leistungen der häuslichen Krankenpflege.
Zudem prüfen wir die Abrechnung der Leistungen nach SGB XI und SGB V.
 

So läuft eine Qualitätsprüfung ab

  • In teil- und vollstationären Einrichtungen finden Qualitätsprüfungen grundsätzlich unangemeldet statt. In ambulanten Pflegeeinrichtungen wird die Prüfung aus organisatorischen Gründen am Vortag angekündigt.
  • In der Regel gehen zwei Qualitätsprüfer des MDK an einem Tag in die Einrichtung. Bei Besonderheiten – beispielsweise, wenn die Einrichtung Menschen mit sehr schwerwiegenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen betreut – kann die Qualitätsprüfung einen weiteren Tag in Anspruch nehmen.
  • Nach einem Zufallsprinzip werden in ambulanten Pflegeeinrichtungen acht pflegebedürftige Menschen und in stationären Pflegeeinrichtungen neun pflegebedürftige Menschen in eine Stichprobe aufgenommen. Unsere Qualitätsprüfer besuchen diese, fragen nach ihrer Zufriedenheit sowie der pflegerischen Versorgung – und machen sich ein Bild vom gesundheitlichen und pflegerischen Zustand. Zuvor werden die pflegebedürftigen Menschen oder deren gesetzliche Betreuer/Bevollmächtigte selbstverständlich um ihr Einverständnis gebeten.
  • Im Fachgespräch mit der Pflegefachkraft nehmen wir Einblick in die Pflegedokumentation.
  • Wir besprechen mögliche Maßnahmen, um die Pflegesituation zu verbessern: Dabei weisen wir gezielt auf Probleme hin und machen Verbesserungs- oder Lösungsvorschläge.
  • Für die Landesverbände der Pflegekassen erstellen wir innerhalb von drei Wochen einen Prüfbericht. Er enthält Stärken und Schwächen der Pflegeeinrichtung und eventuell empfohlene Maßnahmen zur Verbesserung. Auch die Pflegeeinrichtung und die zuständige Heimaufsichtsbehörde bekommen den Prüfbericht und haben Gelegenheit zur Stellungnahme. Bestehen gravierende Qualitätsmängel, erteilen die Landesverbände der Pflegekassen der Pflegeeinrichtung einen Bescheid, in dem die Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung inklusive Fristen mitgeteilt werden. Im Rahmen einer Wiederholungsprüfung kann geprüft werden, ob die Maßnahmen umgesetzt worden sind.
  • Nach der Qualitätsprüfung und nach Erhalt des Prüfberichtes können die geprüften Pflegeeinrichtungen die Qualitätsprüfung vor Ort und den Prüfbericht bewerten.
Info-Button
Aus der Qualitätsprüfung durch den MDK resultieren zwei Berichte: Prüf- und Transparenzbericht.

Damit Verbraucher die Leistungen einzelner Einrichtungen besser beurteilen und vergleichen können, hat der Gesetzgeber 2009 die Transparenzberichte eingeführt. Hierzu werden einzelne Ergebnisse (Transparenzkriterien) aus dem Prüfbericht an die Landesverbände der Pflegekassen übermittelt – und in den Transparenzbericht übertragen.
 
Innerhalb von vier Wochen kann die Pflegeeinrichtung mögliche strittige Fragen klären. Anschließend wird der Transparenzbericht inklusive der Noten für die Qualität der Pflegeleistungen von den Landesverbänden der Pflegekassen im Internet und durch Aushang im Pflegeheim veröffentlicht:

Ihre Ansprechpartner

Haben Sie den Eindruck, dass ein Angehöriger nicht gut gepflegt wird – oder sind Sie selbst nicht einverstanden mit Ihrer Pflege?

Versuchen Sie zunächst, direkt mit dem zuständigen Pflegedienst oder mit der Pflegeeinrichtung zu sprechen. Sofern Ihre Bedenken nicht ausgeräumt werden können, sind Ihre Pflegekasse, die jeweilige staatliche Heimaufsicht oder der MDK die richtigen Ansprechpartner.

Konsequenzen bei Pflegemängeln

Stellt der MDK bei einer Qualitätsprüfung Mängel fest, so erhält die Pflegeeinrichtung von der Pflegekasse einen Maßnahmenbescheid.

Darin werden die Beanstandungen aufgeführt und qualitätsverbessernde Maßnahmen eingefordert. Bei stationären Pflegeeinrichtungen versendet der MDK den Prüfbericht auch an die zuständige Heimaufsichtsbehörde, die aufsichtsrechtliche Maßnahmen einleiten kann.

Modellprojekt "Entbürokratisierung von externen Qualitätsprüfungen in Baden-Württemberg"

Seit Inkrafttreten des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes sowie des Landesheimgesetzes werden alle stationären Pflegeeinrichtungen einmal im Jahr geprüft – sowohl von der Heimaufsicht als auch vom MDK. Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz (PNG) wiederum ermöglicht es, eine abgestimmte Vorgehensweise für die Qualitätsprüfungen der beiden Institutionen zu erarbeiten.

Auf dieser Basis führte der MDK Baden-Württemberg gemeinsam mit der Heimaufsicht und dem Gesundheitsamt des Landkreises Ludwigsburg sowie Pflegeeinrichtungen aus dem Kreis Ludwigsburg ein über zwei Jahre dauerndes Modellprojekt zur "Entbürokratisierung von externen Qualitätsprüfungen in Baden-Württemberg" durch.

Ziel war es, die Prüfungen von MDK, Heimaufsicht und Gesundheitsamt gemeinsam an einem Tag durchzuführen – und herauszufinden, ob sich hierdurch der Prüfaufwand für alle Beteiligten reduziert. Der Abbau von Doppelstrukturen sollte dazu beitragen, dass Qualitätsprüfungen effektiver und zugleich auch transparenter für den Verbraucher werden.

Das Ergebnis des Projektes: Gemeinsame Kontrollen von Heimaufsicht und MDK führten zu erheblichem Mehraufwand, eingeschränkter Flexibilität und unzureichenden Beratungsmöglichkeiten.