Qualitätsprüfungen: Wichtige Impulse für eine gute Pflege

Um gute und passende Pflegedienste und -einrichtungen zu finden, brauchen pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen verlässliche und vergleichbare Informationen. Seit 2009 überprüft der MDK im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen jedes Jahr die Qualität von Pflegediensten und Pflegeheimen – und seit 2014 auch die Qualität von Tagespflegeeinrichtungen. 90 Prozent der Prüfungen führen die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung durch, 10 Prozent der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung.
Der MDK Baden-Württemberg besucht dazu pro Jahr etwa 3.400 Pflegedienste und -einrichtungen.
Es zeigt sich, dass die regelmäßigen externen Prüfungen und die damit verbundene Beratung durch den MDK wichtige Impulse für gute Pflegequalität geben.

Die Kriterien der Qualitätsprüfung sind in den bundesweit gültigen Qualitätsprüfungs-Richtlinien geregelt. Darin bildet die sogenannte Ergebnisqualität einen besonderen Schwerpunkt.

Als Gutachterinnen und Gutachter sind beim MDK Baden-Württemberg rund 75 Pflegefachkräfte tätig. Sie haben viele Jahre direkt in der Pflege und in leitender Funktion als verantwortliche Pflegefachkraft bzw. Heimleitung gearbeitet. Darüber hinaus verfügen sie über eine Weiterbildung im Qualitätsmanagement.

Grundsätzliches zu unseren Qualitätsprüfungen

Die Qualitätsprüfungen bilden eine Einheit aus Prüfung, Beratung und Empfehlung von Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung.

Dieser beratungsorientierte Ansatz ermöglicht es, bereits während der Qualitätsprüfung bei festgestellten Auffälligkeiten und Qualitätsdefiziten Lösungen aufzuzeigen (Impulsberatung).

In der Regelprüfung erfassen wir wesentliche Aspekte des Pflegezustandes der in die Stichprobe einbezogenen versorgten Personen sowie die Wirksamkeit der Pflege- und Betreuungsmaßnahmen (Ergebnisqualität).
 
Die Prüfung kann sich zudem auf Ablauf, Durchführung und Evaluation der Leistungserbringung (Prozessqualität) sowie auf die Rahmenbedingungen der Leistungserbringung (Strukturqualität) erstrecken.

Der freundliche, wertschätzende und respektvolle Umgang mit allen Beteiligten hat Priorität. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Einrichtungen sprechen wir auf Augenhöhe.

Unser gemeinsames Ziel – das Wohl der versorgten Personen – verbindet!
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Seit November 2019: Neues Verfahren für Qualitätsprüfungen in der Pflege
Seit dem 1. November 2019 werden alle vollstationären Pflegeeinrichtungen sowie Kurzzeitpflegeeinrichtungen nach einem neuen Verfahren geprüft. Was hat sich geändert?
Weitere Informationen
 
Unsere Informationsquellen
  • Inaugenscheinnahme der in die Stichprobe einbezogenen versorgten Personen
  • Befragung der versorgten Person
  • Befragung der Angehörigen und/oder der Pflegeperson
  • Fachgespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Einrichtung
  • Auswertung der Pflegedokumentation

In vollstationären Pflegeeinrichtungen prüfen wir die Qualität der Unterstützung …
  • … bei der Mobilität und Selbstversorgung,
  • … der Ernährung und Flüssigkeitsversorgung,
  • … bei der Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen (z. B. medizinische Behandlungspflege),
  • … bei der Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte,
  • … in besonderen Bedarfs- und Versorgungssituationen (z. B. Einzug, Krankenhausaufenthalte),
  • … von versorgten Personen mit herausfordernd erlebtem Verhalten und psychischen Problemlagen
Zudem prüfen wir ...
  • … bedarfsübergreifende fachliche Anforderungen (z. B. Abwehr von Risiken und Gefährdungen, Schutz von Persönlichkeitsrechten und der Unversehrtheit)
  • … die einrichtungsinterne Organisation und das Qualitätsmanagement
Bei der Bewertung der Qualitätsbereiche prüfen wir, ob die Bewohner die Unterstützung erhalten, die ihrem individuellen Bedarf und ihren Bedürfnissen entsprechen und ob sie keine gesundheitlichen Schädigungen durch Handeln oder Unterlassen der Pflegeeinrichtung erlitten haben.
 
Im Anschluss an die Beurteilung der personenbezogenen Versorgung prüfen wir bei sechs in die Stichprobe einbezogenen Personen, ob die von der Pflegeeinrichtung selbst erfassten Indikatorendaten zur Versorgungsqualität plausibel sind.

In teilstationären Pflegeeinrichtungen (Tagespflege) prüfen wir die Qualität der …
  • … allgemeinen Pflegeleistungen,
  • … medizinischen Behandlungspflege,
  • ... Betreuung sowie der zusätzlichen Betreuung und Aktivierung

In ambulanten Pflegediensten prüfen wir die Qualität der …
  • … körperbezogenen Pflegemaßnahmen,
  • … pflegerischen Betreuungsmaßnahmen,
  • … Hilfen bei der Haushaltsführung,
  • … Leistungen der häuslichen Krankenpflege.
Zudem prüfen wir in ambulanten Pflegediensten, bei den in die Stichprobe einbezogenen Personen, ob die vereinbarten Leistungen nach SGB XI und SGB V korrekt vom Pflegedienst abgerechnet wurden.
 

Was prüft der MDK bei den Bewohnern?

Was prüft der MDK bei den Bewohnern
Quelle: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS)

So läuft eine Qualitätsprüfung ab

  • Damit Pflegeeinrichtungen die Versorgung der pflegebedürftigen Menschen organisieren und eine Pflegefachkraft für das Fachgespräch zur Verfügung stellen können, kündigen wir die Qualitätsprüfung grundsätzlich am Vortag an.
  • Zur Qualitätsprüfung kommen i.d.R. zwei Pflegefachkräfte des MDK in die Pflegeeinrichtung. Die Qualitätsprüfung dauert in der Regel ein bis zwei Tage.
  • Nach einem Zufallsprinzip werden in stationären Pflegeeinrichtungen neun versorgte Personen, in ambulanten Pflegediensten acht versorgte Personen in eine Stichprobe aufgenommen. Unsere Gutachterinnen und Gutachter besuchen diese, fragen nach ihrer Zufriedenheit sowie der pflegerischen Versorgung – und machen sich ein Bild vom gesundheitlichen und pflegerischen Zustand. Selbstverständlich werden die versorgten Personen oder deren gesetzliche Betreuer/Bevollmächtigte zuvor um ihre Einwilligung gebeten.
  • Unsere Gutachterinnen und Gutachter führen mit der begleitenden Pflegefachkraft ein Fachgespräch über Bedarfe und Bedürfnisse der versorgten Person und nehmen Einblick in die Pflegedokumentation.
  • Gemeinsam mit den Pflegefachkräften der Einrichtung werden mögliche Maßnahmen besprochen, um die Pflegesituation zu verbessern: Dabei weisen wir gezielt auf Probleme hin und machen Verbesserungs- oder Lösungsvorschläge.
  • In vollstationären Pflegeeinrichtungen prüfen wir bei sechs in die Zufallsstichprobe einbezogenen Personen die Plausibilität der von der Pflegeeinrichtung halbjährlich selbst erfassten Qualitätsdaten zur Versorgung ihrer Bewohnerinnen und Bewohner (z. B. Mobilität, Dekubitusentstehung, unbeabsichtigter Gewichtsverlust).
  • Für die Landesverbände der Pflegekassen erstellen wir innerhalb von drei Wochen einen Prüfbericht. Er enthält die Stärken und Schwächen des Pflegedienstes oder der Pflegeeinrichtung. Bei bestehenden Auffälligkeiten und Qualitätsdefiziten empfehlen wir konkrete Maßnahmen zu deren Beseitigung. Auch der Pflegedienst oder die Pflegeeinrichtung und die zuständige Heimaufsichtsbehörde erhalten den Prüfbericht. Innerhalb von vier Wochen kann der Pflegedienst oder die -einrichtung mit den Landesverbänden der Pflegekassen mögliche strittige Fragen klären. Bestehen Qualitätsdefizite, erteilen die Landesverbände der Pflegekassen dem Pflegedienst oder der Pflegeeinrichtung einen Bescheid, in dem die Maßnahmen zur Beseitigung der Qualitätsdefizite inklusive Fristen mitgeteilt werden. 28 Tage nach der Qualitätsprüfung werden die Ergebnisse im Internet und durch Aushang beim Pflegedienst beziehungsweise in der Pflegeeinrichtung veröffentlicht. Im Rahmen einer Wiederholungsprüfung kann geprüft werden, ob die Maßnahmen umgesetzt worden sind.
  • Nach der Qualitätsprüfung und dem Erhalt des Prüfberichtes können die geprüften Pflegedienste und -einrichtungen die Qualitätsprüfung vor Ort und den Prüfbericht bewerten.
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Damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Leistungen einzelner Dienste und Einrichtungen besser beurteilen und vergleichen können, steht ab 2020 ein Online-Portal zur Verfügung. Hier können die MDK-Prüfergebnisse, die Indikatorenergebnisse der Pflegedienste und -einrichtungen sowie Informationen zu den Pflegediensten und Pflegeeinrichtungen abgerufen werden.

Ihre Ansprechpartner

Haben Sie den Eindruck, dass ein Angehöriger nicht gut gepflegt wird – oder sind Sie selbst nicht einverstanden mit Ihrer Pflege?

Versuchen Sie zunächst, direkt mit dem zuständigen Pflegedienst oder mit der Pflegeeinrichtung zu sprechen. Sofern Ihre Bedenken nicht ausgeräumt werden können, sind Ihre Pflegekasse, die jeweils zuständige staatliche Heimaufsichtsbehörde oder der MDK die richtigen Ansprechpartner.

Konsequenzen bei Pflegemängeln

Stellt der MDK bei einer Qualitätsprüfung Mängel fest, so erhält der Pflegedienst oder die Pflegeeinrichtung von der Pflegekasse einen Maßnahmenbescheid.

Darin werden die Beanstandungen aufgeführt und qualitätsverbessernde Maßnahmen eingefordert. Bei stationären Pflegeeinrichtungen versendet der MDK den Prüfbericht auch an die zuständige Heimaufsichtsbehörde, die aufsichtsrechtliche Maßnahmen einleiten kann.

Qualitätssicherung der Qualitätsprüfung

Um auch für uns selbst eine hohe Qualität zu garantieren, sind verschiedene Qualitätssicherungsmaßnahmen etabliert.
Unsere Instrumente zur Qualitätssicherung bei Qualitätsprüfungen von Pflegediensten und -einrichtungen:
  1. MDK-übergreifende Audits bei Qualitätsprüfungen
  2. Externe Audits durch Sachverständige
  3. Befragungen der Pflegedienste und -einrichtungen und der Landesverbände der Pflegekassen
  4. Plausibilitätsprüfung der Prüfberichte
Darüber hinaus kann der MDK Baden-Württemberg auf vielfältige interne Qualitätsinstrumente zurückgreifen und entwickelt diese konsequent weiter.